Frauen, die dem Kraftsport nachgehen und dementsprechend über eine athletische Figur und einen leistungsfähigen Körper verfügen, können sich in der alltäglichen Trainingspraxis vor Komplimenten in der Regel kaum retten. Das Problem an der Sache ist lediglich, dass viele dieser Komplimente bewusst zweideutig gehalten sind, was nicht minder oft zu Konflikten führt. Um diese Problematik ein wenig abzumildern, möchten wir dir im Rahmen dieses Artikels sechs “Komplimente” nennen, die ihren Namen nicht wirklich verdienen.

1 – Mit deinen großen Muskeln siehst du aus wie ein ganzer Kerl

Viele Menschen gehen fälschlicherweise noch immer davon aus, dass große Muskeln etwas sind, über das nur Männer verfügen. Die Tatsache, dass alle Menschen mehr oder minder große Muskeln haben, und dass dies nichts mit dem Geschlecht zu tun hat, ist also noch immer nicht zu allen durchgedrungen. Es ist also nichts Ungewöhnliches daran, dass auch Frauen eine kräftige Muskulatur ausbilden können. Eine gut definierte Muskulatur ist und bleibt eine gut definierte Muskulatur und hat mit Geschlechterbindung prinzipiell ebenso wenig zu tun wie Cheeseburger mit einer gesunden Ernährung.

2 – Schön, dass du dein Ding durchziehst. Ich kann mich an Zeiten erinnern, da war Frauensport noch anstößig

Warum werden wir eigentlich noch nach Jahrzehnten der Emanzipation auf Schritt und Tritt damit konfrontiert, was noch in der Generation unserer Mütter und Großmütter üblich gewesen ist? Natürlich kann der Sport auch heute noch in vielerlei Hinsicht hart für Frauen sein. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass man uns dies mit Hilfe von markigen Sprüchen ständig unter die Nase reiben muss.

3 – Für ein Mädchen bist du ganz schön stark

Eine starke Frau ist nicht nur stark für ein Mädchen, sondern sie ist einfach nur stark. Was um Himmelswillen soll diese Herabwürdigung unserer Leistungsfähigkeit? Vielleicht sollten wir auch dazu übergehen, Komplimente nach dem Motto: »Für einen Mann bist du ganz schön stark«, zu verteilen. Vielleicht würde dies zum gegenseitigen Verständnis einen wertvollen Beitrag leisten. Da dies zugegebenermaßen nicht der Fall sein wird, wäre es auch bereits ausreichend, wenn wir uns darauf einigen könnten, die Leistungsfähigkeit eines Menschen von der Geschlechterrolle zu entkoppeln.

4 – Du siehst verdammt kräftig aus, schau dir nur deine Oberschenkel an

Ein Athlet zu sein umfasst mehr als nur einen gut austrainierten Körper, denn die Optik ist bei weitem nicht alles. Besonders deutlich tritt dieser Fakt bei weiblichen Trainierenden hervor, die sich in erster Linie an ihrer Trainings-Performance orientieren und die optische Entwicklung diesbezüglich hintenanstellen. Jeder sollte akzeptieren, dass jeder Mensch unterschiedliche Ziele vor Augen hat, die nicht unbedingt der gedanklichen Schablone bestimmter Personengruppen entspricht.

5 – Du musst bestimmt ganz schön hart arbeiten, um deinen unglaublichen Körper in Form zu halten

Es gibt keinen Körper, der die perfekte Form hat, was schlicht und ergreifend daran liegt, dass sich die subjektive Perfektion aus zahlreichen unterschiedlichen Merkmalen zusammensetzen kann. Nur weil ein Körper in den Augen eines bestimmten Mannes perfekt erscheint, muss sich die Leistungsfähigkeit noch lange nicht mit der Optik decken.

6 – Dein Bizeps wächst mit jeder Trainingseinheit

Wir verfügen alle genetisch bedingt über eine leicht voneinander abweichend Körperkomposition, was dazu führt, dass manche Menschen trotz harter Arbeit niemals massive Muskeln ihr Eigen nennen dürfen. Folglich sollte sich niemand dazu verleiten lassen, die optischen Erfolge anderer Athletinnen und Athleten an eigenen subjektiven aber unpassenden Maßstäben zu messen. Merkt es euch, jeder Mensch sieht aus, wie er aussehen soll, alles andere ist Detailarbeit.

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