{"id":56486,"date":"2018-08-29T13:32:51","date_gmt":"2018-08-29T12:32:51","guid":{"rendered":"https:\/\/fitnfemale.com\/?p=56486"},"modified":"2018-08-29T13:32:51","modified_gmt":"2018-08-29T12:32:51","slug":"superfood-hype-das-sind-die-schattenseiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fitnfemale.com\/deu\/superfood-hype-das-sind-die-schattenseiten\/","title":{"rendered":"Superfood-Hype: Das sind die Schattenseiten"},"content":{"rendered":"<p><strong>Superfoods<\/strong> sind in den letzten Jahren gerade in der Fitness-Szene schwer in Mode gekommen. Und auch du hast mit Sicherheit schon einmal ein Quinoa-Rezept ausprobiert, dir ein paar Chiasamen ins M\u00fcsli gemischt oder Avocados mehr oder minder regelm\u00e4\u00dfig in deinen Speiseplan eingebaut. Aber hast du gewusst, dass Superfoods nicht in jeder Hinsicht super sind?<\/p>\n<p>Nein, es geht nicht um die Nahrungsmittel selbst, denn diese sind nach wie vor aufgrund unterschiedlichster Faktoren hervorragend. Es geht um den ausufernden Superfood-Hype, der auch eine dunkle Seite hat. Was also hat es mit den Schattenseiten auf sich? Und wie sieht eine m\u00f6gliche L\u00f6sung f\u00fcr die entstehenden Probleme aus?<\/p>\n<h2>Licht und Schatten liegen nahe beieinander<\/h2>\n<p>*N\u00e4hrstoffreiche Lebensmittel wie Chiasamen, Avocados und Quinoa sind hervorragende Lebensmittel und geh\u00f6ren in ihren jeweiligen Herkunftsl\u00e4ndern nicht umsonst mitunter seit Jahrtausenden zur Grundern\u00e4hrung. Die erh\u00f6hte weltweite Nachfrage nach genau diesen Produkten hat auch viele positive Seiten f\u00fcr die L\u00e4nder, in denen die Superfoods angebaut werden.<\/p>\n<p>Denn durch die steigende Nachfrage und die die damit steigenden Verkaufspreise nimmt auch das Einkommen der lokalen Bauern zu, sodass diese ihren Kindern eine bessere Bildung erm\u00f6glichen und ihren Wohlstand steigern k\u00f6nnen. Auf der anderen Seite profitieren wir als Konsumenten von den zahlreichen gesundheitlichen Vorteilen der Superfoods.<\/p>\n<p><strong>Eine echte Win-win-Situation also f\u00fcr alle?<\/strong> Nicht unbedingt, denn an dieser Stelle f\u00fchrt kurzfristiges Denken oft zu langfristigen Sch\u00e4den in den Bereichen Umwelt, Wirtschaft und Wohlstand. Welche Probleme durch den Hype beispielsweise auftreten, m\u00f6chten wir am Beispiel von Avocados, Chiasamen und Quinoa beleuchten.<\/p>\n<h2>Chia &#8211; Ein kleiner Samen erobert die Welt<\/h2>\n<p>Wer h\u00e4tte gedacht, dass Chiasamen innerhalb der Europ\u00e4ischen Union noch bis 2013 ausschlie\u00dflich als Zutat in Backwaren zugelassen waren? Heute sind die kleinen Samen aus der Fitnesswelt kaum mehr wegzudenken. Verantwortlich daf\u00fcr ist neben der Chiasamen-Hype-Welle aus den USA in erster Linie die Erweiterung der Genehmigung f\u00fcr den Verkauf von Chiasamen und Chia-Produkten in der EU.<\/p>\n<p>Die extrem hohe Nachfrage hat die kleinen Samen aber nicht nur in die Regale jedes noch so kleinen Discounters gebracht, sondern zwischenzeitlich auch zu einer deutlichen Erh\u00f6hung der Preise gef\u00fchrt, da die weltweit angebaute Menge Chiasamen die nachgefragte Menge bei Weitem nicht decken konnte. Zwischenzeitlich kletterte der Preis pro Kilogramm auf bis zu 10 Euro.<\/p>\n<p>Erst durch die massive Ausweitung der Anbaufl\u00e4chen in S\u00fcdamerika und den einsetzenden Anbau in Australien und auf dem afrikanischen Kontinent konnte die Nachfrage gedeckt werden. Ein perfektes Beispiel also f\u00fcr das hervorragende Funktionieren der globalen Marktwirtschaft, denn durch die Zunahme der Anbaufl\u00e4chen stieg auch das Einkommen der lokalen Bauern.<\/p>\n<h2>Extreme Nachfrage f\u00fchrt zu Problemen<\/h2>\n<p>Die erh\u00f6hte Nachfrage hat nat\u00fcrlich auch dazu gef\u00fchrt, dass jeder Chia-Bauer ein St\u00fcck vom Kuchen abhaben wollte. Und das am besten so schnell wie m\u00f6glich und ohne R\u00fccksicht auf Verluste. Gerade in S\u00fcdamerika, haben viele kleine und gro\u00dfe Betriebe zunehmend auf Quantit\u00e4t als auf Quantit\u00e4t gesetzt. Speziell durch den massiven Einsatz von Spritzmitteln wie Diquat und Paraquat sowie Schimmelpilzgifte wie Aflatoxine sollten die Ertr\u00e4ge so schnell wie m\u00f6glich maximiert werden.<\/p>\n<p>Das Ergebnis waren teils minderwertige Erzeugnisse, die zudem mit deutlich erh\u00f6hten Pestizid-Werten belastet waren. Zudem wurden Chiasamen oftmals kurzerhand auf ehemaligen Sojafeldern angepflanzt, die noch vom Sojaanbau belastet waren. Das Ergebnis dieser kurzfristigen Denkweise ist also alles andere als ein Superfood.<\/p>\n<h2>Kompletter Verzicht ist auch keine L\u00f6sung<\/h2>\n<p>Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln hat definitiv seinen Sinn, denn ohne w\u00e4re die Weltbev\u00f6lkerung nicht einmal im Ansatz zu ern\u00e4hren. Allerdings verlangt die Vernunft einen rationalen Einsatz dieser Mittel, um den Endverbraucher, die B\u00f6den und letztlich auch die Gesundheit der Bauern nicht zu sch\u00e4digen. Komplett auf Chiasamen zu verzichten, ist keine zufriedenstellende L\u00f6sung.<\/p>\n<p>So verl\u00f6ren die lokalen Bauern ihr Einkommen, deren Kinder ihre Bildungschancen und deren L\u00e4nder einen Teil ihres Wohlstandswachstums. Die L\u00f6sung lautet einmal wieder bewusster Konsum. Und hier greifen abermals die uralten Wirtschaftsgesetze von Angebot und Nachfrage. Denn, wenn wir als Endverbraucher nach Bio-Chiasamen &#8222;verlangen&#8220;, werden sich die Produzenten anpassen und einen nachhaltigen Anbau vorantreiben. Dann haben wir eine echte Win-win-Situation f\u00fcr alle.<\/p>\n<h2>Quinoa-Hype hat positive und negative Folgen f\u00fcr S\u00fcdamerika<\/h2>\n<p>Dass Quinoa bei Sportlern einen so hervorragenden Ruf genie\u00dft, liegt nicht zuletzt daran, dass das Pseudogetreide einen sehr hohen Proteinanteil hat und dar\u00fcber hinaus kein Gluten enth\u00e4lt. Nach und nach kamen so immer mehr Fitnesssportler darauf, Quinoa in ihre Ern\u00e4hrung einzubauen.<\/p>\n<p>Damit r\u00fcckte das Pseudogetreide aus S\u00fcdamerika auch in den Fokus der Ern\u00e4hrungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), die das Jahr 2013 zum Internationalen Jahr der Quinoa machte. Durch das Zusammenkommen dieser Faktoren stieg die Nachfrage enorm. Gleichsam kletterten die Preise rasant, sodass sich diese in der Spitze mehr als verzehnfachten.<\/p>\n<p>F\u00fcr Probleme sorgte der Quinoa-Hype in erster Linie in den traditionellen Anbaugebieten der Quinoa-Pflanze, im Hochland der Anden. Die hier anzutreffenden stark lehmhaltigen B\u00f6den bieten der Pflanze ideale Wachstumsbedingungen. Dank der steigenden Marktpreise konnten auch hier die Bauern ihr Einkommen deutlich steigern, sodass sich viele Familien nun auch andere Lebensmittel leisten konnten. Im Gegenzug nahm der Quinoa-Konsum allerdings ab. Urs\u00e4chlich ist neben der Tatsache, dass das Nahrungsmittel deutlich im Preis gestiegen ist, auch der Umstand, dass ein Gro\u00dfteil der Ernte f\u00fcr den Export reserviert ist.<\/p>\n<h2>\u00dcbernutzung von Anbaufl\u00e4chen verringert den Nahrungsmittelertrag<\/h2>\n<p>Eigentlich profitieren die lokalen Bauern und deren Familien also von der hohen Nachfrage nach Quinoa. Allerdings f\u00fchrt der Hype gerade in Peru und Bolivien dazu, dass immer mehr Fl\u00e4chen f\u00fcr den Anbau von Quinoa erschlossen werden. Neben den sehr gut f\u00fcr den Anbau geeigneten Lehmb\u00f6den in den H\u00f6henlagen, werden nun auch die weniger lehmhaltigen und n\u00e4hrstoff\u00e4rmeren B\u00f6den f\u00fcr den Anbau genutzt, um die Produktionsmenge zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Gerade die N\u00e4hrstoffarmut f\u00fchrt jedoch zu einem deutlich geringeren Ertragszuwachs als ihn sich die Bauern w\u00fcnschen. Und so erschlie\u00dfen sie weitere Fl\u00e4chen. Im Ergebnis m\u00fcssen so viele Felder weichen, auf denen andere Nutzpflanzen deutlich besser wachsen. Au\u00dferdem brauchen die n\u00e4hrstoffarmen B\u00f6den deutlich l\u00e4nger f\u00fcr die Regeneration. Unter dem Strich verringert sich so der m\u00f6gliche Gesamtertrag an Nahrungsmitteln.<\/p>\n<p>Zudem f\u00fchrt die fortw\u00e4hrende Erschlie\u00dfung zus\u00e4tzlicher Fl\u00e4chen zu Bodenerosion, sodass wertvolle Anbaufl\u00e4chen verlorengehen. Dar\u00fcber hinaus haben Quinoa-Bauern, die Quinoa au\u00dferhalb der nat\u00fcrlichen Heimat der Pflanze anbauen, mit Ernteverlusten durch Sch\u00e4dlinge zu k\u00e4mpfen, die es in den traditionellen Anbaugebieten gar nicht gibt.<\/p>\n<h2>Die Auswirkungen des Avocado-Wahnsinns<\/h2>\n<p>Kaum ein Superfood hat in den vergangenen Jahren einen derartigen Boom erlebt wie die Avocado. Kaum ein Fitness-Kochbuch, in dem nicht mindestens ein Dutzend Rezepte die leckere gr\u00fcne Frucht auf der Zutatenliste hat. Alleine in den vergangenen drei Jahren lag die weltweite Avocado-Ernte konstant bei mehr als 5 Millionen Tonnen, wobei die meisten Fr\u00fcchte nach Europa und in die USA exportiert werden. Alleine in Europa sollen nach Angaben der World Avocado Organization im Jahr 2018 rund 550 Millionen Kilogramm der Frucht verzehrt werden.<\/p>\n<h2>Die Avocado-Rechnung geht nicht wirklich auf<\/h2>\n<p>Traditionell wird die Avocado in Mexiko angebaut, wo die Frucht unter anderem zum weltbekannten Dip &#8222;Guacamole&#8220; verarbeitet wird. Der Hauptprofiteur des Booms ist der mexikanische Bundesstaat Michoac\u00e1n, der im Westen Zentralmexikos liegt. Kein Wunder, dass die einheimischen Bauern mehr und mehr Anbaufl\u00e4chen f\u00fcr Avocados erschlie\u00dfen und dabei auch zunehmend Waldfl\u00e4chen roden.<\/p>\n<p>Hier fangen die Probleme auch schon an, denn bis eine Avocado-Pflanze erstmals erntef\u00e4hige Fr\u00fcchte tr\u00e4gt, dauert es mindestens sieben Jahre. Damit ist jede neu angelegte Avocado-Plantage eine Investition in die Zukunft. Ist der Avocado-Hype vorbei, war die Investition umsonst. Allerdings lohnt sich der Anbau der Fr\u00fcchte aktuell, denn schon 2.000 Pflanzen reichen aus, um einem Bauern einen j\u00e4hrlichen Gewinn von rund einer Million US-Dollar einzubringen. In Anbetracht eines in Mexiko durchschnittlichen Jahreseinkommens von 10.000 US-Dollar liegt es auf der Hand, warum die Landwirte die Anbaufl\u00e4chen trotz des Risikos massiv ausweiten.<\/p>\n<p>Das wahre Problem liegt aber nicht einmal im pers\u00f6nlichen Risiko des einzelnen Bauern. Dieser ist schlie\u00dflich selbst daf\u00fcr verantwortlich, welche Erzeugnisse er anpflanzen m\u00f6chte und welche nicht. Problematisch ist in erster Linie der enorme Wasserverbrauch der Avocado-Pflanze. Um nur ein Kilogramm Avocados zu produzieren, braucht die Pflanze gut 1.000 Liter Wasser. Zum Vergleich: F\u00fcr ein Kilogramm Kartoffeln, die in der Region ebenfalls hervorragend gedeihen, ben\u00f6tigt man nur rund 130 Liter Wasser.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte also sagen, dass die B\u00f6den des Landes ineffizient genutzt werden, da diese B\u00f6den f\u00fcr ein ressourcenfressendes Luxusprodukt verwendet werden und nicht f\u00fcr den wesentlich wichtigeren Anbau von Grundnahrungsmitteln. In Mexiko hat das bereits seit dem ersten Avocado-Boom in den 1990er-Jahren zu zahlreichen Wasserknappheiten in den Anbauregionen gef\u00fchrt. Vielerorts muss die Bev\u00f6lkerung gar mit Tankwagen mit Trinkwasser versorgt werden, da das Wasser der Fl\u00fcsse f\u00fcr die Bew\u00e4sserung der Avocado-Plantagen abgezweigt wird.<\/p>\n<h2>Superfoods durch Local-Foods ersetzen<\/h2>\n<p>Nun, wir m\u00f6chten dir nicht dein Avocado-Brot oder deinen Quinoa-Salat vermiesen. Aber dennoch ist es notwendig, einen Blick auf die Problematik der Superfoods zu werfen. Wie bei allem im Leben ist auch hier ein ma\u00dfvoller Konsum der goldene Mittelweg, der f\u00fcr m\u00f6glichst viele Parteien eine Win-win-Situation schafft. Wichtig ist auch hier das Verst\u00e4ndnis, dass viele dieser Superfoods objektiv betrachtet gar nichts so Besonderes sind, sondern lediglich von einem geschickten Marketing und unserer Lust nach Exotik profitieren.<\/p>\n<p>Ganz n\u00fcchtern betrachtet ist beispielsweise der Chiasamen f\u00fcr die S\u00fcdamerikaner nichts anderes als f\u00fcr uns ein &#8222;langweiliger&#8220; Leinsamen und Quinoa nichts anderes als f\u00fcr uns die Kartoffel. Um unserem K\u00f6rper mit &#8222;Superfoods&#8220; etwas Gutes zu tun, m\u00fcssen wir gar nicht in die Ferne schweifen. Auch bei uns in Europa wachsen zahlreiche Pflanzen, die mindestens ebenso gesund sind.<\/p>\n<p>Das einzige Manko: Wir kennen diese Lebensmittel, und damit fehlt ihnen die magische Aura des Exotischen. Es macht also durchaus Sinn, wenn du einmal Hirse statt Quinoa, Gr\u00fcnkohl statt Granatapfel und Leinsamen statt Chiasamen verwendest. Ab und zu auch auf &#8222;Superfoods&#8220; aus \u00dcbersee zu setzen, ist aber nach wie vor absolut in Ordnung, solange du darin kein Allheilmittel f\u00fcr deine Ern\u00e4hrung siehst.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Superfoods sind in den letzten Jahren gerade in der Fitness-Szene schwer in Mode gekommen. Und auch du hast mit Sicherheit schon einmal ein Quinoa-Rezept ausprobiert, dir ein paar Chiasamen ins M\u00fcsli gemischt oder Avocados mehr oder minder regelm\u00e4\u00dfig in deinen Speiseplan eingebaut. Aber hast du gewusst, dass Superfoods nicht in jeder Hinsicht super sind? 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