{"id":2180,"date":"2017-05-09T14:37:51","date_gmt":"2017-05-09T14:37:51","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.fitnfemale.de\/?p=2180"},"modified":"2017-10-01T06:51:04","modified_gmt":"2017-10-01T06:51:04","slug":"gibt-es-das-anabole-fenster-wirklich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fitnfemale.com\/deu\/gibt-es-das-anabole-fenster-wirklich\/","title":{"rendered":"Gibt es das anabole Fenster wirklich?"},"content":{"rendered":"<p>Im Bereich des Kraftsports gibt es eine F&uuml;lle von Begriffen, die scheinbar mit einer magischen Aura versehen sind und so manchen Trainierenden wie von Zauberhand mit einer geh&ouml;rigen Portion Ehrfurcht und Emotion erf&uuml;llen. Einer dieser hei&szlig; diskutierten Begriffe ist das sogenannte <strong>anabole Fenster,<\/strong> ohne das angeblich kaum ein Zuwachs an Muskelmasse m&ouml;glich ist. Gem&auml;&szlig; der emotionalen Aufladung dieser Thematik wurde das anabole Fenster h&auml;ufig im Rahmen von wissenschaftlichen Studien untersucht, die vor allem in der Vergangenheit unisono die Existenz und Bedeutung desselbigen untermauerten. Neue wissenschaftliche Untersuchungen relativieren die vormaligen Erkenntnisse jedoch und werfen nun die durchaus berechtigte Frage auf, ob es so etwas wie das anabole Fenster &uuml;berhaupt gibt. Dieser Frage wollen wir im Rahmen dieses Artikels auf den Grund gehen. <\/p>\n<h2>Auf der Suche nach dem anabolen Fenster<\/h2>\n<p> Es ist ein unumst&ouml;&szlig;licher Fakt, dass der Organismus mit einer ausreichenden Menge an Makron&auml;hrstoffen versorgt werden muss, damit die im Rahmen des Trainings gesetzten Wachstumsreize auch in neues Muskelgewebe umgem&uuml;nzt werden k&ouml;nnen. Es scheint also schl&uuml;ssig, dass der Organismus, der nach dem Workout f&ouml;rmlich nach N&auml;hrstoffen schreit, in einem gewissen Zeitfenster nach der Beendigung der Belastung auch besonders aufnahmebereit f&uuml;r Kohlenhydrate, Fette und Proteine ist. Prinzipiell entspricht das auch den physiologischen Tatsachen, die auch durch neuere Untersuchungen renommierter Sportwissenschaftler, best&auml;tigt wurden. Die vorherrschende Definition des anabolen Fensters suggeriert jedoch, dass der etwa 60 Minuten gro&szlig;e Zeitraum, in dem der Organismus seine Aufnahmef&auml;higkeit massiv nach oben schraubt, sehr beschr&auml;nkt ist, im Umkehrschluss jedoch umso bedeutender f&uuml;r den Muskelaufbau ist. Urs&auml;chlich f&uuml;r diese Erkenntnis sind unter anderem Studien an Probanden, die im Zuge der Untersuchung fasten mussten, um die N&auml;hrstoffaufnahmebereitschaft des Organismus st&ouml;rungsfrei dokumentieren zu k&ouml;nnen. Dass ein derartiges Vorgehen die realen Werte verf&auml;lscht, sodass diese nicht auf den durchschnittlichen Kraftsportler &uuml;bertragbar sind, liegt also auf der Hand. Unabh&auml;ngig davon gibt es aber noch viele Athleten, die unmittelbar nach dem Training panisch zur Tupperdose greifen, um ja das anabole Fenster nicht zu verpassen. <\/p>\n<h2>Die Wahrheit hinter dem Mythos<\/h2>\n<p> Die Wahrheit ist dabei eigentlich recht simpel. In der Praxis existiert das anabole Fenster tats&auml;chlich. Das ist nat&uuml;rlich auch logisch, da es physiologisch selbstredend Sinn ergibt, dass ein Organismus unmittelbar nach einer gro&szlig;en Anstrengung sowie dem damit einhergehenden Energieaufwand besonders aufnahmebereit f&uuml;r N&auml;hrstoffe ist. Aus evolutionsbiologischer Sicht macht die verfr&uuml;hte Schlussfolgerung &auml;lterer Studien, dass dieses Fenster nur kurz ge&ouml;ffnet sei, absolut keinen Sinn. Warum? Ganz einfach: Versetzen wir uns einmal in die Lage unserer Vorfahren in der Altsteinzeit, die bei der Jagd nach Mammuts und anderen wilden Tieren mit Sicherheit einen &auml;hnlich gro&szlig;en Kraftaufwand betreiben mussten, wie wir im Rahmen unseres Krafttrainings. W&auml;re die besagte N&auml;hrstoffaufnahmef&auml;higkeit des K&ouml;rpers tats&auml;chlich in ein solch enges Zeitfenster gepresst, h&auml;tten unsere Vorfahren nie wirklich kr&auml;ftige Muskulatur aufbauen k&ouml;nnen, denn das Zerlegen, Transportieren und Zubereiten der Jagdbeute dauerte Stunden. Dennoch waren diese Menschen extrem kr&auml;ftig, wie man anhand ihrer Skelette nachweisen konnte. Unser Ausflug in die Steinzeit lehrt uns also, dass das anabole Fenster in der Tat existiert, in der Realit&auml;t jedoch deutlich l&auml;nger offen ist, als man es uns &uuml;ber lange Zeit hinweg glauben machen wollte. <\/p>\n<h2>Was bedeutet das f&uuml;r die Praxis?<\/h2>\n<p> In der Praxis bedeutet es, dass du nach dem Training mehrere Stunden hast, um das anabole Stoffwechselumfeld zu nutzen. Neuere Studien legen sogar nahe, dass dieses Umfeld, in sich stetig abschw&auml;chender Form, bis zu 24 Stunden nach der Trainingsbelastung anh&auml;lt. Je fr&uuml;her du N&auml;hrstoffe zuf&uuml;hrst, desto besser ist es zweifellos, jedoch besteht kein ultimativer Zwang. Dies liegt mitunter auch daran, dass du vor dem Training mit Sicherheit nicht einen Tag lang gefastet hast, sodass dein Aminos&auml;urepool ebenso leer w&auml;re wie deine Glykogenspeicher. In der Realit&auml;t ist es aber so, dass dein K&ouml;rper zeitverz&ouml;gert auf N&auml;hrstoffe zugreift. Wenn du also drei Stunden vor dem Training etwas gegessen hast, zehrt dein Organismus nach dem Training noch immer von den N&auml;hrstoffen dieser Mahlzeit und hat nicht wie von Zauberhand einen leeren Tank, der deinen Motor ins Stocken bringt. Anstatt dich auf diesen einen Zeitraum zu konzentrieren, solltest du also vielmehr darauf achten, dass deine Ern&auml;hrung &uuml;ber den gesamten Tag hinweg ein harmonisches Gesamtbild abgibt, sodass der Organismus prinzipiell immer dazu in der Lage ist, regenerative Prozesse optimal abzuspulen. Nimm 5 bis 7 proteinreiche Mahlzeiten pro Tag zu dir und g&ouml;nne dir nach dem Training bei Bedarf einen Post-Workout-Shake, der deinen K&ouml;rper nichtsdestotrotz dabei unterst&uuml;tzt, die Regeneration und damit den Muskelaufbau schnellstm&ouml;glich einzuleiten. &nbsp;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p> Zu guter Letzt m&ouml;chten wir unsere das anabole Fenster betreffende Reise durch die Wissenschaft, die Evolutionsbiologie sowie die Menschheitsgeschichte noch einmal kurz auf den Punkt bringen: Ja, das anabole Fenster existiert tats&auml;chlich. Es existiert jedoch nicht in einer zeitlich eng gefassten Form, die beim &Uuml;berschreiten eines Stunden- oder Minutenlimits den Muskelaufbau signifikant erschwert. Der Zeitraum der erh&ouml;hten Stoffwechselaktivit&auml;t und Aufnahmebereitschaft ist deutlich weiter gefasst und gibt dir auch im Rahmen einer v&ouml;llig normalen und stressfreien Ern&auml;hrung die Option, das Optimum aus deinem K&ouml;rper herauszuholen, sofern du auf deine Kalorienbilanz und die N&auml;hrstoffverteilung achtest.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Bereich des Kraftsports gibt es eine F\u00fclle von Begriffen, die scheinbar mit einer magischen Aura versehen sind und so manchen Trainierenden wie von Zauberhand mit einer geh\u00f6rigen Portion Ehrfurcht und Emotion erf\u00fcllen. 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